Wie kreativ muss ein Vorstand sein?

Veröffentlicht: Donnerstag, 12. November 2020 Drucken E-Mail

Muss ein Vorstand kreativ sein?

Oftmals wird Kreativität gefordert, einhergehend mit der Fähigkeit zur Problemlösung. Sicher Eigenschaften, welche positiv besetzt sind. Aber muss es wirklich so sein und was bedeutet den Kreativität im Führungsumfeld?

Wie so oft, gilt es, sich mit solchen Schlagworten oder "Management Buzz" sich auseinander zu setzen. In einem ersten Abschnitt gebe ich mit einer Kreativitätsmatrix einen Überblick, danach folgt eine kritische Auseinandersetzung, welchen Anforderungen ein Vorstand bezüglich Kreativität genügen sollte.

Kreativitätsmatrix

Zweck

Diese Kreativitätsmatrix setzt sich nicht mit Kreativitätstechniken auseinander, dazu gibt es genügend andere Übersichten und Hilfsmittel, wie z.B. Osborn-Checkliste (Wikipedia) und viele weitere mehr (auch auf Wikipedia). Sie soll vielmehr einen Überblick geben, welche Typen im Spannungsfeld von Fantasie und Analyse sich Kreativität entfalten kann.

Aufbau

Die beiden Ausprägungen

  • Fantasie
  • Analyse

sind wesentliche Bestandteile von Kreativität. Ohne Fantasie entsteht nichts Neues, ohne Analyse wird das neue Zwecklos. Ich betrachte Kreativität immer als zweckgebunden, auf ein Ziel ausgerichtet, etwas, das auch nützlich ist. Kreativität führt aber auch zu neuen Ufern, auf neue Wege, welche vorher nicht denkbar waren. Dazu braucht es die Fantasie. In diesem Spannungsfeld habe ich vier Typen bezeichnet. Und wie so oft bei diesen Typen, gibt es selten artreine Typen, die meisten Menschen haben einfach eine stärkere Ausprägung zu einem Typen und können ohne weiteres bei Bedarf die Stärken eines anderen Typen übernehmen.

Die Matrix hat auch keine Trennlinie zwischen den Typen, wie dies oftmals der Fall ist. Es gibt keine scharfe Trennung.

Einfaltspinsel

Menschen, welche weder einer Sache auf den Grund gehen und nichts Neues entwickeln können, habe ich hier sehr volkstümlich als Einfaltspinsel bezeichnet. Man darf es ohne weiteres liebevoll verstehen. Es fehlen hier die analytischen Fähigkeiten, einer Sache auf den Grund zu gehen und die mangelnde Fantasie bringt nichts neues hervor. Bei hoch repetitiven und strukturierten Aufgaben sicher nicht von Übel. Die Aufgabe wird wie übertragen ohne zu hinterfragen oder zu ändern durchgeführt.

Phantast

Manchmal brennen die Pferde durch und eine Idee jagt die andere. In solchen Situationen sage ich mir: Ich habe jetzt eine Lösung, aber kein Problem dazu. Das mag geistig anregend sein, aber zweckfremd. Vielleicht lohnt es sich, eine solche Idee in einen Speicher abzulegen und ruhen zu lassen, bis das passende Problem dazu auftaucht.

Analytiker

Themen können zergliedert und neu geordnet werden. Ordnungsraster und Verknüpfungen aufgezeichnet werden. Ein Zustand ins kleinste Details beschrieben werden. Das ist absolut hilfreich, um ein Thema, ein Problem zu schildern und zu vermitteln. Nur es ändert nichts an der Ausgangslage. Viele Aufgaben verlangen einen sachlichen, analytischen Umgang. Etwas überspitzt gehören Buchhalter dazu, kreative Buchhaltung führt ins Gefängnis.

Kreativer

Ein Kreativer versteht es, aus der Analyse, gepaart mit Fantasie Neues zu erdenken und zu erschaffen. Da Kreativität nützlich sein soll, gehört es mit dazu, das Neue auf seine Umsetzung hin zu überprüfen. Das führt wieder zurück zu den analytischen Fähigkeiten. 

Was heisst das für den Vorstand?

Kreativität ist nicht nur eine persönliche Eigenschaft. Die ausgewogene Zusammensetzung eines Teams erlaubt es auch, auf der Klaviatur von Fantasie und Analyse zu spielen. Selber hatte ich einmal eine Situationsanalyse eines Teams vornehmen können, welches zu 90 % aus Phantasten bestand. Deren, selber erkanntes, Problem war die Qualität. Der einzige Analytiker mochte der Übermacht nicht standhalten. Ein Remix des Teams war dann die Folge.

Es ist bei den Non-Profit-Organisationen, welche sich auf die ehrenamtliche Arbeit stützen in der Realität so, dass die Anforderungsprofile selten so ausgefeilt sind und bei einer Bewerbung überprüft werden, wie dies bei bezahlten Funktionären der Fall ist. In den meisten Non-Profit-Organisationen gilt es, mit den Menschen auszukommen, die sich engagieren.

Ideal ist natürlich eine ausgewogene Besetztung eines Vorstandes mit Menschen, welche sowohl analytische Fähigkeiten und eine Portion Fantasie verfügen. Damit kann Situativ das nötige abgerufen werden. Die Gestaltung eines Jahresprogrammes benötigt mehr Fantasie, die Abwicklung hingegen mehr Analyse, um es auf den Boden zu bringen.

Die überlegte Dosierung in der Vorstandsarbeit und nicht die persönlichen Präferenzen, durch den eigenen Typen geprägt, bringen einen Vorstand weiter und dienen damit dem Zweck der Organisation.

 

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